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Beiträge zur tibetischen Erzählforschung (BTE)

herausgegeben von Prof. Dr. Dieter Schuh, Band 9

Silke Herrmann: Erzählungen und Dialekt von Ding-ri. 1989, 500 Seiten, 66,-- Euro.

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Nordwestlich des Mount Everest gelegen, zieht sich das Ding-ri-Plateau des Flusses Arun entlang. In einer Höhe von über 4000 Metern weht ein trockener, beißender Wind, der Pflanzen nur spärlich gedeihen läßt. Auf dieser Hochebene leben ungefähr 12000 Menschen. Bedingt durch politische Umwälzungen in Tibet sind rund 2000 der früheren Bewohner Ding-ris ins Solu Khumbu-Gebiet nach Nepal abgewandert. In Chialsa wohnen heute die meisten der tibetischen Auswanderer aus Ding-ri. Dank Schweizer Unterstützung gelang es den Tibetern, eine Teppichfabrik zu gründen, mit der sie einen beachtlichen Wohlstand erreicht haben. In dieser Umgebung findet man eine noch lebendige Erzähltradition von Sagen, Märchen, Schwänken und dem tibetischen Epos von König Kesar. Anfänglich galt es, die Scheu der Bewohner zu überwinden, und sie zum Erzählen zu überreden. Später waren sie mit Feuereifer bei der Sache.

Auf einem Textcorpus von dreißig Erzählungen beruht die vorliegende Arbeit. Ausgewählt und bearbeitet wurden siebzehn Märchen, die sprachwissenschaftlich untersucht wurden.  Sie wurden transkribiert und übersetzt. Anhand dieses Materials ist es gelungen, eine Grammatik des noch unbearbeiteten Dialektes von Ding-ri und ein Wörterbuch zu erstellen. Die Arbeit steht im Rahmen der Grundlagenforschung zur Erschließung der mündlich tradierten Erzählliteratur der Tibeter und zu den tibetischen Dialekten und zielt auf Erleichterung bei weiterführenden Arbeiten der tibetischen Sprachgeschichte ab.

Die Verfasserin war Mitarbeiterin des Instituts für Sprach- und Kulturwissenschaft Zentralasiens an der Universität Bonn. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stand das tibetische Epos von König Kesar, wie es in Ladakh noch heute mündlich tradiert wird. Im Bereich der Epenforschung beschäftigte sie sich mit der Varianz der Erzähltradition des Kesar-Epos in einem regional begrenzten Gebiet.

 

International Institute for Tibetan and Buddhist Studies GmbH | info@Tibetinstitut.de